"Ich bin ihr treu geblieben", Michael von der Heide über Paola, VON  THOMAS WERNLI.

Popsänger Michael von der Heide, 26, und Ex-Schlagerstar Paola Felix, 48,  sind gestern abend in der TV-Show "Benissimo" zum ersten Mal gemeinsam  aufgetreten. Michael von der Heide erklärt, wie es zu dem Duett auf SF 1  gekommen ist.

Michael von der Heide, Sie haben sich kürzlich darüber beschwert, ständig auf  Paola angesprochen zu werden. Michael von der Heide: Ja, weil die Journalisten selten über meine Musik reden wollen. Auch die seriöseste Zeitung findet meine grossen Ohren lustig und schreibt lieber über meine Herkunft und das  vermeintlich Schrille an mir. Dabei habe ich für meine neue CD schwer gearbeitet  und musikalisch interessante Sachen gemacht. Da mag ich halt nicht ständig über  Paola reden.

Trotzdem sind Sie gestern mit ihr zusammen aufgetreten. Von der Heide: Ich war als Kind ein Fan von ihr. Ihre Platte "Lieder, die ich liebe" habe ich mit  neun geschenkt bekommen. Paolas Stimme, ihr Aussehen haben mich fasziniert. Ich habe jahrelang Fotos von ihr aufgehängt, alles über sie gesammelt und ihr Briefchen geschrieben.

Und hat sie geantwortet? Von der Heide: Ja. Ich habe sie immer noch. Ich bin dieser ersten musikalischen Figur in meinem Leben immer treu geblieben. Heute  bin ich kein Fan mehr, aber meine Zuneigung kann ich nicht verleugnen.

Und jetzt haben Sie sie zum ersten Mal getroffen. Von der Heide: Ja. Wir waren vom Fernsehen eingeladen. Ich war zwei Minuten früher da und wartete beim  Empfang, etwas nervös, unsicher, gespannt, wie sie auf mich reagieren würde. Da ist sie angekommen, mit ihrem Mercedes, und kam spontan auf mich zu. Da war für  mich gleich klar: Die ist schwer in Ordnung.

Hatten Sie Zeit, miteinander zu reden? Von der Heide: Es war eher ein  Abtasten. Sie fand, ich habe nicht immer nur gut über sie gesprochen. Doch ich habe sie beruhigt und erklärt, dass ich sie überhaupt nicht verarschen will.

Paola singt seit 1990 nicht mehr. Und da kommt so ein - pardon - junger  Schnösel und bewegt sie zu einem Auftritt. Von der Heide: Paola hat mitbekommen,  dass ich für sie als Kind geschwärmt habe und dass ich gerne ein Duett mit ihr  singen würde. Sie ist auch nicht blöd-sentimental oder zickig drauf. Ich habe grossen Respekt vor ihr. Und als sie dann gesungen hat, neben mir, da, (verzückt) ah . . .! Dieses Lied, "Blue Bayou", hat für mich auch mit meinem  Zuhause, mit meiner Geschichte zu tun und viel mit Sentimentalität. Und wir  haben das Lied wirklich, wirklich schön gesungen. Es hat mich sehr bewegt, weil es eben auch die Wahrheit ist.

Die Wahrheit? Von der Heide: Paola hat den Text umgeschrieben. (Singt.)  "Viele Jahre schwärmte ich von dir, und jetzt stehst du neben mir. Du bringst mich noch heut' aus der Ruh', Miss Blue Bayou . . ."

Wer von Ihnen ist die grössere Diva? Von der Heide: Was ist denn eine Diva?  Sie ist bestimmt keine Diva, sie ist wahnsinnig professionell. Da hätte ich es viel nötiger. (Lacht.) Vom Fahrzeug her, war sie die grössere Diva. Ich bin mit einem VW Golf gekommen.

Haben Sie Gemeinsamkeiten entdeckt? Von der Heide: Wir haben beide jung  angefangen. (Schmunzelt.) Hat sie gesagt.

Gehen Sie jetzt gemeinsam auf Tour? Von der Heide: Natürlich nicht. Und das  ist auch kein Comeback für Paola. Ich hoffe, wir treffen uns mal zu einem Glas Champagner.

Richtig sauer werden Sie, wenn Sie als Schlagersänger bezeichnet werden. Von der Heide: Ich singe auch Schlager, aber wenn schwarz auf weiss irgendwo  Schlagersänger steht, dann bekommt man von meiner Musik einen völlig falschen Eindruck.

Berührungsängste zum Trivialen? Von der Heide: Überhaupt nicht. Aber zwischen  einem Groschenroman und einem Text von Milena Moser gibt es Unterschiede. Was  ich mache, ist trivial. Nicht nur. Aber auch. Es ist keine hohe Poesie und keine  extreme Sozialkritik. Ich arbeite mit dem Seichten. Aber ich bin nicht seicht. Und mein Album hat mehr mit Pop zu tun als mit Schlager.

Warum diese Distanzierung? Von der Heide: Ich kenne viele in der Schlagerbranche, die sich und das Publikum verarschen, sich für ihre Karriere,  ihre Musik schämen und sich selber verachten. Bei Paola ist das nicht so: Sie  hat sich und die Leute nie belogen. Und für mich - vielleicht klingt das jetzt pathetisch -, aber für mich versteckt sich halt schon etwas Göttliches hinter  der Musik.